Mein Glaube

Darius Lebok OFM
Since 11/2021 96 Episoden

MG092_Ostern 2024

Der Podcast betont die Bedeutung von Ostern und der persönlichen Verbindung zu Christus für Einheit und Hoffnung in schwierigen Zeiten. Christi Auferstehung gibt Stärke, den Glauben zu bewahren.

31.03.2024 15 min

Zusammenfassung & Show Notes

Eine Predigt zum Ostersonntag am 31. März 2024 von P. Darius Lebok OFM.

Transkript

Brüder und Schwestern, wie Paulus an einer Stelle schreibt, braucht es nichts zu erklären, denen, die an Christus glauben, die getauft sind, dass Jesus von den Toten auferstanden ist. Es ist eine Selbstverständlichkeit für uns geworden. Es trifft uns vielleicht nicht so unmittelbar wie die Jünger und die Jüngerinnen, die ihm nachgefolgt sind. Und trotzdem sind wir hier. Und das ist der einzige Grund, warum wir uns als Kirche versammeln. Diese Kirche ist als Gebäude noch ein bisschen besonderes. Das geht in meinem Empfinden leider sehr unter. In dieser Kirche ist der Herrgläubigen Maria Magdalena geweiht eigentlich. Das Altarbild, das vorne ist, ist ein bisschen seltsam. Zumindest in meinem Empfinden gibt es nicht das wieder, was sie waren. Also sie wird auf diesem Bild, was eine sehr lange auch christliche Tradition ist, dargestellt als die Böserin, als eine, der ihr Leben verändert hat und dann Jesus nachgefolgt. Und das ist auch wahrscheinlich ein Teil ihres Lebens gewesen. Aber das Eigentliche ist das, was Papst Franziskus vor einigen Jahren zum Ausdruck gebracht hat, ganz deutlich, als er sie die Apostelin der Apostel genannt hat. Also die erste Person, die Jesus wirklich als den Auferstandenen gesehen hat. Die erste Person, die seine Auferstehung verkündet hat. Sie wird von ihm beauftragt. Diese Auferstehung den Jüngern zu berichten, ihnen das zu sagen, was sie gesehen hat, was er ihr gesagt hat. Und deswegen ist für mich immer, also in dieser Kirche, Ostern ein besonderer Tag. Nicht nur, weil Ostern Ostern ist, sondern weil ich auch irgendwie eine tiefe Verbundenheit mit ihr spüre, als Person, als diese eine, die den Auferstandenen als Erste gesehen hat. Warum das so wichtig ist, für mich persönlich, weil immer um Ostern herum bei mir auch ein sehr spürbares Nachdenken einsetzt über mein Leben, wie meine Nachfolge aussieht. Also ich bin mittlerweile, weiß ich nicht, 24, 25 Jahre im Orden. Und ihr könnt euch vorstellen, wenn man jung irgendetwas anfängt, also egal was man tut, ob man jemanden heiratet, sich in eine Beziehung hineinbegibt, einen Beruf ergreift, der einen fasziniert, sich irgendetwas widmet, was einem wichtig ist. Bei mir war es halt, also der franziskanische Weg. Dann hat man so seine Vorstellungen von dem, wie das sein wird, was man eigentlich vom Leben will. Und ich habe meine Vorstellungen nicht verloren in den 25 Jahren. Ich weiß ganz genau, was ich will und warum ich diesen konkreten Weg gewählt habe. Er ist nicht besser als jeder andere. Das ist der Weg, der für mich in meinem Erkennen vielleicht der beste ist. Es kann aber auch sein, dass ich mich geirrt habe und mir das der Herr dann irgendwann offenbart, wenn ich gestorben bin und sage, eigentlich war was anderes für dich geplant, macht nichts. Meine Entscheidung und der Herr respektiert das. Und das ist auch etwas sehr Schönes, dass Gott mit unseren Entscheidungen leben kann. Und trotzdem sehe ich, dass mein Leben wirklich anders ist, als es sein könnte. Ich sehe, dass mein Umgang mit den evangelischen Rätern, und insbesondere sind so zwei Brennpunkte in meinem Leben, die immer wieder ein Punkt sind, an dem ich an meine Grenzen komme. Aus verschiedensten Gründen, nicht nur, weil ich nicht fähig bin, da weiterzugehen, das glaube ich schon, dass ich das bin, aber auch die Umstände, weil ich bin ein Teil der Gemeinschaft, eine Gemeinschaft. Also die Brüder, die in dieser Gemeinschaft sind, geben dem Ganzen, wie ich mein Leben gestalten kann, auch eine gewisse Grenze. Das könnt ihr auch aus eurem Leben, egal wie du lebst, ob du jemanden an deiner Seite hast, mit dem du dein Leben teilst, ob du vielleicht Eltern hast, mit denen du zusammenwohnst oder irgendwas, egal, auch wenn du alleine lebst. Gibt es Grenzen für dein Leben. Die das Leben manchmal anders machen, als du es gerne hättest. Und das ist etwas, was ich zu Ostern immer sehr spüre in meinem Leben. Und diese zwei Brennpunkte in meinem Leben ist der Umgang mit Armut und das, was ich Demut nenne. Also die Armut ist für mich mit Demut wirklich substanziell verbunden. Das ist etwas sehr Franziskanisches, diese Sicht der Dinge. und ich versuche, mein Leben so zu gestalten, dass ich keinen Anspruch auf irgendetwas habe und trotzdem beanspruche ich jeden Tag ziemlich viel. Auch von meinen Mitbrüdern, von den Menschen, denen ich begegne. Ich erwarte mir sehr viel. Und ich darf das auch. Ich darf mir das erwarten, dass auch meinen Mitbrüdern ähnliches zumindest wichtig ist, was mir wichtig ist, dass denen, die getauft sind, auch Ähnliches wichtig ist, was mir wichtig ist. Und trotzdem sitzen wir hier in dieser Kirche, die halb leer ist, auch wenn viele gekommen sind und ich freue mich. Und es ist auch nicht unsere Aufgabe, die Kirchenbänke zu füllen. Aber so viele sind getauft und haben das irgendwo in ihrem Leben verloren, dieses Bedürfnis, das zu tun, was wir in der zweiten Lesung gehört haben, hinaufzuschauen, nach oben zu schauen, uns an dem festzuhalten, was uns größer macht, als wir es manchmal uns selber zugestehen. Und für mich ist es immer ein Knackpunkt und meistens ist es in der Osternacht, also nicht bei der Feier, aber in diesem ganzen Abend von Kar-Samstag bis zum Ostersonntag kommt dieser Knackpunkt, wo ich es wirklich erleben darf, dass Christus dasjenige ist oder derjenige ist, der mich größer macht, als ich es selber bin. Weil ich darf erfahren, dass trotz der Unterschiede, trotz der Unzulänglichkeiten von uns allen, also meiner eigenen, meiner Mitbrüder und auch deiner Unzulänglichkeiten, jeder hat irgendwo was, gibt es eines, was wir gemeinsam haben. Und das ist dieser Glaube an den Auferstandenen Jesus Christus. Auch wenn der Glaube auch verschieden ausgeprägt sein soll. Ich kann wetten, wenn jeder von dem eigenen Glauben berichten würde, manchmal ist es auch schwierig in Worte zu bringen, was ich eigentlich glaube, würden wir so viele Antworten finden, wie Leute zur Sprache kämen. Und das ist auch gut so. Das ist eine sehr persönliche Sache. Aber das, was ich erlebe, ist, dass es nicht darum geht, dass wir alle gleich sind, dass wir alle in Gleichschritt gehen, dass wir alle, wenn der Priester irgendwas sagt, immer die richtige Antwort wissen oder wissen, wann wir aufstehen sollen, uns niederknien sollen oder sonst was. Das sind auch wichtige Sachen, damit man gemeinsam feiern kann, damit man gemeinsam den Glauben gestalten kann. Aber das sind letzten Endes Belanglosigkeiten. Das, was wirklich entscheidend ist, dass jede von uns, jede einzelne Person eine tiefe Verbundenheit zu Christus hat. Und das kann dir niemand nehmen und nichts. Und das ist, was wir zu Ostern eigentlich verkünden, dass die Sünde, dass unsere Schwäche, unsere Unzulänglichkeiten und auch die deines Nachbarn, deines Ehepartners, deiner Kinder, deiner Eltern, der Menschen, die du magst und die du manchmal nicht ausstehen kannst, auch die Unzulänglichkeiten derer können dir das nicht nehmen. Ich weiß nicht, ob dich das so trifft wie mich, wahrscheinlich nicht oder ganz anders, wenn überhaupt. Aber ich möchte dir davon erzählen, weil mir ist das zu Ostern unglaublich wichtig. Diese Erkenntnis, diese tiefe Erkenntnis, die für mich fast eine Gotteserfahrung immer gleicht, dass es nicht darauf ankommt, dass wir alle derselben Meinung sind, dass wir alle vielleicht gleich eifrig sind in der Nachfolge, sondern es kommt nur darauf an, dass er mit mir meinen Weg geht. Und der Gedanke geht dann weiter, wenn das wirklich wahr ist, dass er zu dir steht, weil er dich ausgewählt hat, weil er dich liebt, bei der er für dich gestorben ist auf dem Kreuz und vor den Toten auferstanden ist, dann gilt es auch für jeden anderen. Und das ist das Einzige, das wirklich Einzige, was uns eint. Alles andere ist Verhandlungssache, letzten Endes. Deswegen gibt es auch in der Kirche viele Diskussionen darüber, wie wir Kirche sein sollen, wie wir Kirche sein können, was wir tun sollen oder nicht und so weiter. Aber das ist die einzige bleibende Sache, deine Verbindung zu ihm. Und das ist das, was uns alle gleich macht letzten Endes. Dass er zu dir steht. Und ich bin dankbar dafür, dass ich das erkennen darf, Ich darf fast jedes Jahr zu Ostern, das ist ein wiederkehrender Prozess bei mir, weil ich zu Ostern sehr vieles bald in meinem Leben sehe. Diese Erkenntnis jedes Jahr zu Ostern, dass du und ich zu ihm gehören. Dass er für uns da ist und ihn nichts davon abbringen kann, sein Leben mit dir zu teilen. Ob du das spürst oder nicht, das ist seine Zusage und er ist treu. Und das ist genau das, was auch die Jünger ausgemacht haben, so unterschiedlich sie auch waren. Also Maria von Magdala, wir wissen nicht wirklich, wer sie war. Theorien gibt es viele, ist auch nicht wichtig. Wer Petrus war, wissen wir auch nicht so wirklich. Wahrscheinlich ein Fischer, das berichten die Evangelien, dann war er Apostel und hat Dinge gemacht. Aber wer er wirklich war als Mensch, ob er geschnarcht hat, ob er sich genug gewaschen hat, ob er ein angenehmer Zeitgenosse war oder anstrengend vielleicht. Also große Prediger können anstrengend sein im Umgang, Das habe ich oft erlebt in meinem Leben. Oder, weiß ich nicht, ob er groß oder klein war, das ist belanglos. Er ist schon längst tot. Und der einzige Grund, warum wir von ihnen erzählen, von den Zeugen, die für Jesus eingestanden sind, Der einzige Grund, warum wir auch daran zu glauben versuchen, dass sie, obwohl sie gestorben sind, nicht tot sind, ist ihre Verbindung zu Christus. Das ist dieser Lebensfaden, der kommt. Das ist dieses, was wir aus dem... Im Brief des Paulus an die Kolosser gehört haben, dieses Hinaufschauen nach oben ist. Und wenn es dir manchmal dreckig geht in deinem Leben, wenn du vielleicht manchmal Angst hast und keine Lust mehr hast, dich zu bemühen, also ich habe offen gesagt, oft keine Lust, mich mehr zu bemühen, weil warum soll ich immer das sein, der sich bemüht, und die anderen nicht. Das sind so Gedanken, die in mir oft aufkommen. Wenn du solche Gedanken manchmal hast, oder niedergeschlagen bist, dann schau nach oben. Schau, zu wem du gehörst. Wer dieser Lebensfaden in deinem Leben ist. Das Einzige, was uns wirklich am Leben erhält, das ist auch eine Theorie, was die Schöpfung betrifft in der Theologie, aber das werde ich euch ersparen, weil das würde ziemlich weit ausholen und ist nicht notwendig für so eine Theologie-Vorlesung hier. Sondern es geht darum, Zeugnis zu geben. Und das hoffe ich getan zu haben, Zeugnis auch von meinem Glauben euch mitgeteilt zu haben, warum ich wirklich an die Auferstehung Jesu glaube, weil es nicht anders geht in meinem Leben. Ich bin völlig geliefert, wenn es ihn nicht gibt. Das hat Paulus in einem seiner Briefe geschrieben. Ich weiß jetzt nicht, welcher das ist, aber da steht es so. Also unser Glaube wäre lächerlich, wenn er nicht von den Toten auferstanden wäre. Das wäre eine Lächerlichkeit. Und er ist nicht lächerlich, unser Glaube. Das möchte ich euch sagen und euch dazu auch ermutigen, euch an dem festzuhalten, der das Leben selbst ist.